Jedes Jahr am 15. September ist es wieder soweit. Dann nämlich scheint das ganze Land von einem ganz besonderen Patriotismus erfüllt zu sein. Schon Wochen vorher werden Nationalflaggen in allen erdenklichen Größen an jeder Straßenecke verkauft und die Mexikaner bereiten sich auf den wohl wichtigsten Nationalfeiertag vor. El Grito - Der Schrei, oder wohl besser Aufschrei, so bezeichnet man dort den Unabhängigkeitstag.
Man schreibt das Jahr 1810 als in der kleinen Stadt Dolores, im heutigen Bundesstaat Hidalgo, ein Priester namens Miguel Hidalgo y Costilla am Abend jenes denkwürdigen Tages, eigentlich war es ja im Morgengrauen des folgenden, das Volk mit den Worten viva la libertad, viva la independencia, muerte a los gachupines, d.h. es lebe die Freiheit, es lebe die Unabhängigkeit, Tod den Spaniern, zum Aufstand gegen die spanischen Kolonialherren aufruft. Es ging ihm hierbei nicht darum gegen den spanischen König zu agieren, sondern um dessen Vize in der Hauptstadt. Nach 300 Jahren Kolonialzeit, und der Tatsache von den Spaniern wie Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden, war es nun an der Zeit etwas zu unternehmen. Hidalgos Aufruf verhallte nicht ungehört, obwohl er selbst die Unabhängigkeit Mexikos nicht mehr erlebte. Er und sein Mitstreiter Allende wurden ein Jahr später von den reales, den königlichen Truppen, festgenommen und am 30. Juli 1811 erschossen. Ihre Köpfe spiesste man zur Abschreckung auf Pfähle.
Morelos führt das weiter was Hidalgo ins Leben gerufen hatte. Doch auch er wurde letztendlich gefangen und am 22. Dezember 1815 hingerichtet.
Zu diesem Zeitpunkt sind die Truppen der insurgentes, der Unabhängigkeitskämpfer, die fast ständig schlecht organisiert waren, schon geschwächt. Aber ein neuer Kämpfer, Vicente Guerrero, übernimmt die Rolle des Anführers. Am 28. September 1821 wird dann letztendlich die Unabhängigkeit Mexikos proklamiert.
